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Ausgabe: Wunnen n° 3 www.wunnen-mag.lu Octobre/Novembre 2007

Thermografiewunnen deckblatt

Interview mit Hubert Schmitz, Energieberater:

« Die Energie die wir nicht verbrauchen müssen wir nicht bezahlen »
        
Herr Schmitz, ich stelle mir Fragen, ob ich nicht zu viele Energie verbrauche in meinem Haus,  hauptsächlich für die Heizung. Wie können Sie mir helfen?

« Ich bin Energieberater, dass heißt ich habe überwiegend zwei Tätigkeiten. Die eine ist im Neubau: ich berate Kunden  die gerne Niedrigenergie- oder Passivhäuser bauen wollen, und sage ihnen, welche Komponente die Gebäudehülle haben muss und auch wie die Anlagentechnik, dass heißt die Heizung, die Lüftung und die Warmwasserbereitung auszusehen haben. Ich gehe dann natürlich auch auf die neuen Energieträger ein, beziehungsweise Energieformen - thermische Solaranlage, Wärmepumpe, Pellets usw. Das sind im Moment Schlagwörter, die jeder kennt der neu bauen will. Das ist die eine Aufgabe.

In der Renovation hingegen will der Kunde eigentlich wissen: was kann ich in meinem Haus verbessern, wie kann ich mein Gebäude energetisch verbessern, wie mache ich es, womit mache ich es, wann am besten und was bringt mir die einzelne Maßnahme?

Hierbei gibt es dann die Möglichkeit der Gebäudeanalyse mittels thermografischer Aufnahme. Für diese thermografische Analyse muss zwischen dem Gebäudeinneren  und der Außenluft eine Temperaturdifferenz von mindestens 15 Grad C vorhanden sein, damit sich in der Gebäudehülle ein sogenannter Wärmestrom einstellt. Dies bedingt, dass diese Aufnahmen überwiegend im Winter erstellt werden können. Dies ist das einzige und auch aussagefähigste Verfahren, um zu prüfen, ob ein Gebäude Wärmebrücken aufweist. Anhand der bildhaften Darstellung der Temperaturen durch die Kamera kann man erkennen, wo geht Wärme verloren, und wie viel geht an Wärme verloren?

Die Farben des Bildes zeigen die Oberflächentemperaturen auf den Bauteilen (rot bedeutet warm, blau kalt). Die dadurch ermittelten Wärmeverluste sollten durch geeignete Dämmmaßnahmen eliminiert werden.

Die thermografische Kamera wird im Altbau zur Analyse angewandt. Im Neubau gebraucht man die Kamera auch, um die wärmebrückenfreie Qualität der Konstruktion nachzuprüfen.»

Die Kontrollen sind neben dem vorher erstellten Energiekonzept ein Muss wenn man Förderung vom Umweltministerium für Niedrigenergie- oder Passivhäuser erhalten will?

« Als Qualitätsnachweis für diese Bezuschussung muss eine Thermografie gemacht werden und ein sogenannter `Blower-Door-Test' welcher die Luftdichtigkeit vom Gebäude misst. Das gehört zur Prozedur. Dann kann man sagen "Ok, das Gebäude ist ein Niedrigenergie- oder Passivhaus und kriegt dementsprechend auch eine Förderung". »

Wird in Luxemburg diese Art von Analyse mittels thermografischer Kamera von den normalen Hausbesitzer oft gefragt?

Vor drei Jahren war diese Technik relativ unbekannt, aber mittlerweile wissen immer mehr Interessierte davon und man liest immer mehr darüber. Es ist zur Zeit das einzige Verfahren mit dem ich einen Altbau im Winter energetisch kontrollieren kann. »
            


 

 

 

 

 

 

 

 

Das gleiche Haus, vor und nach der Isolierung der Fassade, mit den thermografischen Bildern die die Wärmezurückhaltung im Inneren des Hauses zeigen.

       
Wie funktioniert eine Kontrolle?

« Wir brauchen - das ist bauphysikalisch bedingt - in der Konstruktion einen Wärmestrom. Dieser Wärmestrom kann nur stattfinden wenn wir eine Temperaturdifferenz haben, zum Beispiel innen 2o Grad und außen um die 5 Grad oder kälter. Die Temperatur will sich ausgleichen, ein ganz normales Phänomen. Je nachdem welches Baumaterial man hat, bietet dies der Temperatur, der Wärme, einen Widerstand, eine Dämmung. Hab ich keine Dämmung, geht die Temperatur schnell nach draußen, wie in einem Korridor. Hat man einen guten Dämmstoff, geht die Temperatur nur ganz langsam nach außen, was man erreichen will, um die Energie im Haus zu behalten. Im Winter kann man schon ab Oktober oder November thermografisch messen. Es muss kontinuierlich kalt bleiben, mindestens während drei Tagen. »

Wie wird die Kontrolle praktisch ausgeführt?

« Ich komme zu Ihnen ins Haus, ziemlich früh, so gegen 7 Uhr morgens, wenn es noch keinen Sonnenschein gibt. Dann gehe ich zuerst ums Haus herum, und mache diese Aufnahmen und gebe Ihnen auch sofort Erklärungen dazu. Sie kriegen aber auch später einen Bericht, in dem die Wärmebrücken erklärt sind. Dann gehe ich auch innen durchs Haus, da es am Gebäude Wärmebrücken gibt, die man von außen nicht sieht.
Bei manchen Hauskonstruktionen ist die Außenthermografie gar nicht möglich, wenn z. Bsp. die Fassade hinterlüftet ist. Dann schaue ich mir das gesamte Haus einmal an, um einen Gesamteindruck zu erhalten. Zuerst schaue ich wie das Dach aufgebaut ist. Wie ist es gedämmt? Welches Mauerwerk gibt es? Wie alt ist das Haus überhaupt? Welche Fenster sind im Haus eingebaut ? Welches Glas ist in den Fenstern? Wie sind die Rollladenkästen? Die Heizkörpernischen? usw. Ich muss alle Details in Betracht nehmen, die es ermöglichen zu erkennen, wie das Haus energetisch aussieht. Es ist ganz wichtig auch zu prüfen ob ein Keller im Gebäude vorhanden ist, und in diesem Fall wie die Bodenplatte aufgebaut ist. Die Energie fließt nämlich in allen Richtungen. Man glaubt immer, dass sie nach oben geht, aber sie geht auch in den Keller. Deshalb haben wir so oft "kalte Füße". Dann schauen wir uns noch die Heizung und die Warmwasserbereitung an. Aus dem Ganzen wird dann für den Hausbewohner ein Konzept erstellt, das erklärt, welche Maßnahmen gemacht werden können, um Energie zu sparen, oder welche Maßnahmen sich ergeben wenn sowieso Arbeiten gemacht werden müssen. Z. Bsp. hat ihr Putz Risse und platzt ab. Wenn er erneuert werden soll, macht man ein Wärmedämmverbundsystem (Isolierfassade) auf die Fassade drauf. Das kostet dann nur den Mehrpreis von dem Dämmmaterial. Oder wenn das Dach ausgebaut werden muss, kann man sich die Frage stellen, wie wird das Dach genutzt, wie viel Dämmung muss ich vorsehen, was ist möglich, worauf muss ich achten?

Viele Fragen stellen sich auch bezüglich der Fenster: wie sind sie aufgebaut? Haben sie schon eine Doppelverglasung? Wie ist das Rahmenmaterial? Gibt es Rollladenkästen? Sind die Rollladenkästen innen isoliert? Oder ist es möglich den Keller von unten zu dämmen? Das ist die einfachste Möglichkeit der Isolierung. Eine solche Tour rund ums Haus dauert ungefähr zwei Stunden. Es handelt sich dabei um eine Datenaufnahme des ist-Zustandes, um daraus ein Energiekonzept zu erstellen.

Aus dem Ganzen ergibt sich dann ein Bericht, der, wenn gewünscht, Berechnungen beinhalten kann: "Wie viel könnte erspart werden, wenn diese oder jene Maßnahme durchgeführt würde?" Informationen werden dann auch gegeben über die staatlichen Beihilfen, die möglich sind wenn entsprechende Maßnahmen durchgeführt werden.

Demnach kann der Kunde rechnen: "Ich investiere jetzt soviel und habe nach Abzug der Zuschüsse eine finanzielle Aufwendung, die sich nach wenigen Jahren amortisiert." »

Bei Neubauten sind heute Niedrigenergie und Passivhäuser sehr gefragt. Sind diese ökologisch und ökonomisch sinnvoll?

« In ein paar Monaten kommt in Luxemburg eine neue Wärmeschutzverordnung, ein Reglement was vorgibt, was mindestens an Dämmung eingebaut werden muss, ansonsten wird das entsprechende Haus gar nicht genehmigt.

Diese Verordnung schreibt vor, welche Mindestwerte der Dämmung eine Konstruktion aufweisen muss. Wenn ich jetzt zu den Vorgaben dieser Verordnung noch einige Zentimeter Dämmung mehr mache, bin ich bei einem Niedrigenergiehaus. Das heißt dass mit wenig Aufwand schnell ein Niedrigenergiehaus entsteht. Das Gleiche gilt beim Dach und bei den Fenstern. Ich verbrauche aber wesentlich weniger Energie und erhalte dadurch Einsparungen, die die Mehrkosten in Kürze relativieren.

Bei der Renovierung muss das Haus als Ganzes gesehen werden, es darf nicht nur an eine einzige Maßnahme gedacht werden. Die Bausteine der Energieeinsparung greifen ineinander und sollten dementsprechend geplant und ausgeführt werden. Die Energie die wir nicht verbrauchen müssen wir nicht bezahlen. Das nennt man Energiesparen. »

Herr Schmitz, wir bedanken uns für diese Erklärungen.


Definition (Wikipedia):
Die Thermografie (auch Thermographie) ist ein bildgebendes Verfahren, das Temperaturverteilungen sichtbar macht. Genaugenommen ist die Thermografie eine Kontakttechnik, während die kontaktlose Technik, die die für das menschliche Auge unsichtbare Wärmestrahlung (Infrarotlicht) eines Objektes oder Körpers mit Hilfe von Spezialkameras sichtbar macht, Infrarotthermografie (oder auch Infrarotthermographie) heißt. Heutzutage wird aber meist Thermographie als Synonym für die Infrarotthermografie verwendet.
Mit dem Differenzdruck-Messverfahren (auch: Blower-Door-Test) wird die Luftdichtheit eines Gebäudes gemessen. Das Verfahren dient dazu, Leckagen in der Gebäudehülle aufzuspüren und die Luftwechselrate zu bestimmen.