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Wärmeverlust ade - Quelle: Luxemburger Revue Nr. 12 24.03.2007

Auch wer in einem alten Haus wohnt, kann Energie sparen. Vorausgesetzt die Problemstellen werden erkannt und behoben. Für Ersteres ist ein Energieberater zuständig.

Text: Laurent Graaff
Fotos: Patrick Galbats, Hubert Schmitz

Bart. Brille. Schirmmütze. Die Ähnlichkeit ist frappierend: Auf den ersten Blick sieht Hubert Schmitz aus wie der jüngere Bruder von Arbeitsminister Francois Biltgen. Spricht man den gebürtigen Deutschen darauf an, lacht er kurz und sagt: «Sie sind nicht der Erste, dem dies auffällt» Dann kommt er zur Sache: «Schönes Haus. Da bin ich aber mal gespannt.» Flugs zückt der 43-Jährige seine Thermobildkamera. Bevor die ersten Bilder gemacht werden, misst er die Temperatur. An jenem Freitagmorgen, um kurz nach 7.30 Uhr, sind es exakt 3,5°C. Dann werden Aufnahmen mit dem 32.000 Euro teuren Gerät gemacht. Der Altbau stammt aus dem Jahre 1914.


Es handelt sich um eine Konstruktion in Massivbauweise mit einer Mauerstärke von 50 Zentimetern. Thermographische Analysen werden überwiegend in der kalten Jahreszeit gemacht. Warum? Je größer der Unterschied zwischen Außen- und Innentemperatur ist, desto besser werden die Bilder. Im Hausinnern sind es zu dem Zeitpunkt 19,6°C.
Die erste Schwachstelle ist rasch ausgemacht: «Alles rot. Da brennt es aber ganz gewaltig», stellt der gelernte Bauingenieur fest und deutet mit dem Finger auf den Bildschirm seiner Kamera. Das Dach scheint zur Vorderseite hin zwar gleichmäßig gedämmt zu sein, im Bereich der Flächenfenster ist indes ein deutlicher Wärmeverlust zu verzeichnen. Das ist nicht die einzige undichte Stelle: Auch beim Kaminanschluss und speziell auf der Rückseite entdeckt Schmitz erheblichen Energieverlust. Verantwortlich dafür sind die veralteten Dachfenster. Zudem gibt es eine undichte Stelle im Bereich des DachüberstandesThermogarphie.    

     
Der Grund ist aber nicht auf Anhieb festzustellen. «Wenn das behoben werden soll, muss das Dach aufgemacht werden», lautet das Urteil des Experten. Die oberste Geschossdecke wird im Zuge einer längst fälligen Renovierung des Daches im Herbst vollflächig mit Dammmaterial versehen werden. Es gibt zwar auch jetzt schon Isolation, doch diese reicht nicht aus und ist zudem nicht fachmännisch angebracht, so dass sie ihre Wirkung nicht entfalten kann. Hubert Schmitz empfiehlt innenseitig eine Dampfsperre anzubringen, eine Folie, die verhindert, das feuchtwarme Raumluft in die Dachkonstruktion strömt, dort kondensiert, was zu Bauschäden führen kann.
Nach dem Rundgang ums Haus knöpft sich der Energieberater den Innenbereich vor. Jeder einzelne Raum wird unter die Lupe genommen und kommentiert. Nicht in Fachchinesisch, sondern auf eine Weise die jeder versteht. Die Prozedur ist dabei immer die gleiche. Der Fachmann richtet die Kamera auf die Wände und stellt fest, wie es um den Dämmungsstandard bestellt ist. Es ist deutlich zu erkennen, dass die Außenwände durch ihren Kontakt zur niedrigeren Außentemperatur wesentlich kälter sind als die Innenwände. Bei einem Niedrigenergiehaus wird dies durch die gute Dämmung auf ein Minimum reduziert.


Die Kältelücke im Eingangsbereich an der Haustür behebt Schmitz gleich selbst. Der Kältefeind - jene Gummidichtung, welche die Spalte zwischen Tür und Bodenschwelle verschließen soll - wird mit dem passenden Sechskantschlüssel nachjustiert. Er empfiehlt, die Haustür stets bis zum Anschlag zu verriegeln. Durch den erhöhten Anpressdruck der Dichtungen wird so der Wärmeverlust minimiert.


Am meisten Sorgen bereiten dem Fachmann das Kinder- und Umkleidezimmer im ersten Stock, deren Außenmauern den Giebel des Hauses bilden. Ideal wäre es, auf der Außenseite eine Dämmung anzubringen, die Fassade neu zu verputzen und anzustreichen. Das wäre aufwändig und teuer. Zudem verändert sich dadurch das äußere Erscheinungsbild des Hauses. Billiger und einfacher ist es Holzlatten auf die Innenwände zu schrauben. Dazwischen kommt Dämmmaterial. Auf die Latten werden dann Dampfsperre und Gipsplatten befestigt. Zum Schluss werden die Anschlussfugen mit Acryl abgedichtet, dann neu tapeziert und gestrichen.
Im Keller entfährt dem Spezialisten ein lautes «Oje. Das habe ich mir genau so vorgestellt.» Der Heizungsraum ist der wärmste Raum im ganzen Haus. Das dürfe nicht sein, sei aber leider allzu oft der Fall. Sogar bei Neubauten. Grund ist die fehlende Isolation der Warmwasserleitungen. Da herrscht großer Nachholbedarf, was auch den edlen Tropfen im Weinkeller zugute kommen wird. Auch dort ist die Temperatur zu hoch und der Wärmeverlust folglich zu groß. Die Kellerdecke sollte ebenfalls mit Styropor eingekleidet werden. «Mindestens zehn Zentimeter dick, dann werden sie im Erdgeschoss nie mehr über kalte Füße klagen», lächelt Schmitz und steigt die Stufen hoch, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Holztreppe, die in die erste Etage führt, reichlich undichte Stellen aufweist. Hier sollte seitlich eine Lattung angebracht werden. Der Hohlraum ist mit Dämmung auszufüllen und die Unterseite mit einer entsprechenden Holzplatte zu verkleiden.

Nach fast drei Stunden Inspektion zieht Schmitz sein Fazit: Er hat schon wesentlich schlimmere Altbauten gesehen. Einiges kann und sollte aber verbessert werden. So können bis zu 30 Prozent Energie, sprich Heizkosten, eingespart werden. Das wird sich im Geldbeutel bemerkbar machen. Alles in allem ist eine Thermographie zwar nicht billig, aber effizient. Sie ist jedenfalls der erste Schritt, wenn man dem hausinternen Wärmeverlust den Kampfansagen will. In Zeiten von immer teurer werdenden Energieträgern und neuer Klimaschutzverordnungen lohnt sich die Inspektion eines Energieberaters allemal.